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Auswirkungen einer verlängerten
Nutzungsdauer in der Milchviehhaltung

Dipl.-Ing. agrar Bernd Lührmann

Auf unserem diesjährigen Informationsabend am 12. März 2013 hat Unternehmensberater Dipl.-Ing. agrar Bernd Lührmann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einen Vortrag gehalten zum Thema: “Auswirkungen einer verlängerten Nutzungsdauer in der Milchviehhaltung.“

Im folgenden sind die wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

Nur optimal aufgezogene Färsen können zu gesunden und leistungsstarken Kühen reifen. Ein Erstkalbealter von 24 – 26 Monaten wird angestrebt. Die Färse muß aber eine optimale Gewichtsentwicklung zeigen, mind. 620 kg LG a.p.. Nur wenn dies gegeben ist, kann die Färse eine hohe Milchleistung erreichen. Ist die Körpermasse geringer, so ist die Futteraufnahme und damit die Milchleistung geringer.

Ein niedriges Erstkalbealter reduziert die Aufzuchtkosten. Diese betragen 55 – 60€ je Färse und Monat.

Ein niedriges Erstkalbealter verlängert die Nutzungsdauer. Je älter die Färsen beim Kalben sind, umso höher ist die Abgangsrate.

Die Milchleistung und die Lebensleistung sind in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen, aber die Nutzungsdauer ist gesunken. Sind die Parameter Nutzungsdauer bzw. Lebensleistung zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Kühen geeignet? Die Rentabilität wird durch zwei Parameter ausgedrückt:

Rentabilität = Leistung bzw. Ertrag je Zeiteinheit.

Lebensleistung = Milchleistung ohne konkrete Zeiteinheit.

Nutzungsdauer = Nutzungsphase ohne konkrete Leistung.

Zur Darstellung der Rentabilität sind folgende Parameter besser geeignet:

Nutzungseffektivität = Milchleistung je Nutzungstag

oder

Lebenseffektivität = Milchleistung je Lebenstag.

Beide Kennzahlen sind in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen.

Je länger die Nutzungsdauer ist, umso geringer sind die Nettobestandsergänzungskosten.

Je höher das Erstkalbealter ist, desto niedriger ist die Lebenseffektivität.

Herr Lührmann erklärte den Titanic-Effekt: Man sieht immer nur die Spitze des Eisbergs (5 – 10%), nämlich die klinischen, die sichtbaren Stoffwechselerkrankungen. Aber unter der Wasseroberfläche liegt der größte Teil des Eisbergs verborgen, dies sind die subklinischen, die nicht sichtbaren Stoffwechselerkrankungen. Sie sind der Auslöser für Fruchtbarkeitsstörungen, Mastitiden und Klauenproblemen.

Fazit: Um eine optimale Wirtschaftlichkeit der Kühe zu erreichen, sind eine optimale Färsenaufzucht, eine optimale Haltung und ein intensives Management notwendig.

Praxis-Tipp: Die subklinischen Erkrankungen kann man sichtbar machen durch monatliche Analyse der Milchkontrolldaten und durch einen regelmäßigen Stoffwechselcheck (Blut-und Harnuntersuchungen).